Eine Website ohne Content-Management-System – heutzutage undenkbar.
Der Siegeszug des CMS begann vor gut zwanzig Jahren. Seine Funktion ist längst zum Standard geworden. Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass sämtliche Inhalte auf einer Website editier- und erweiterbar sind. Das CMS macht's möglich.
Diese Selbstverständlichkeit, die eigene Website selbst bearbeiten zu können, hat dazu beigetragen, dass Systeme wie WordPress, Joomla oder Typo3 eine aufblühende Phase durchlebten. Aktuell sind CMS wieder im Wandel: Die momentane Goldgräberstimmung um KI-Integrationen soll die Nutzung von Tools weiter vereinfachen. Oder anders ausgedrückt: Websites ohne Aufwand. Websites für alle.
Diese Entwicklung beschleunigt Änderungen und verändert die Wahrnehmung. Neulich, bei einem internen Austausch bezüglich des technischen Settings einer Richtpreisofferte, stellten wir fest, dass ein Grossteil der Kundschaft zwar ein vollumfängliches CMS erwartet, in der Realität jedoch kaum bis gar keines benötigt. Die folgerichtige Frage stand im Raum: In welchem Umfang ist ein CMS sinnvoll? Oder noch radikaler: Ist es überhaupt noch notwendig?
Die These
Ein vollumfängliches CMS lohnt sich nur, wenn echte, regelmässige Content-Pflege durch Nicht-Fachpersonen stattfindet. Für alles andere gibt es schlankere Lösungen, die weniger kostenintensiv sind.
Wer pflegt was und wie oft?
Die relevante Frage spielt sich auf der Contentebene ab. Nämlich, welche Inhalte überhaupt regelmässig geändert oder ergänzt werden und welche obendrein praktisch nie angefasst werden. Welches CMS für das Vorhaben geeignet ist oder welches System in den kommenden Jahren das Rennen machen wird, ist zweitrangig.
Bei Inhalten wie Team-Mitgliedern eines Unternehmens, Neuigkeiten oder ausgeschriebenen Stellen herrscht Konsens: Es ist wichtig, dass diese Inhalte selbstständig und unabhängig von entsprechenden Fachpersonen angepasst werden können. Ein weiteres Beispiel sind Sammelgefässe mit Wissensartikeln und zusätzlichen Landingpages, die durch ein internes Marketing-Team erstellt werden: Hier ist ein möglichst vollumfänglicher Editor mit vielen Funktionen und Elementen wichtig. Aber gilt das auch für die Startseite oder statische Leistungs- oder Porträtseiten zum Unternehmen?
Weitere Punkte, die beim Betrieb eines CMS oft vergessen gehen und damit direkte sowie indirekte Kosten verursachen:
- Für den internen Umgang mit einem CMS werden Schulungen benötigt.
- Es müssen regelmässige Aktualisierungen durchgeführt werden.
- Ein CMS bringt zusammen mit Plugins Sicherheitslücken mit, die ausgenutzt werden können.
Die Auseinandersetzung mit all diesen Punkten ist essenziell. Erst danach kann entschieden werden, welches Setup wirklich für den individuellen Fall Sinn ergibt und ob der Weg mit einem klassischen CMS der richtige ist.
Das herauszufinden ist nicht immer einfach. Die gute Nachricht ist jedoch, dass verschiedene Optionen zur Verfügung stehen, wie die technische Architektur einer Website gebaut werden kann, damit eine möglichst einfache und zukunftssichere Lösung im Handling mit der Website garantiert werden kann. Der Übersicht halber folgen drei Optionen im Vergleich.
1. Klassisches CMS (z.B. WordPress, TYPO3)
Das klassische CMS treffen wir oft an und es hat sich in den vergangenen Jahren bewährt. Für die Anwendung ist meist alles editierbar und für Umsetzungspartner wie MONTAG Webstudios bietet es die Möglichkeit, auch komplexe Vorhaben, wie beispielsweise ein umfangreiches Immobilienportal mit Schnittstellen zu ERP oder CRM, umzusetzen. Die Inhalte, das Design und die Technik sind in einem System vereint. Das ist aber nicht in allen Fällen sinnvoll, denn klassische CMS bringen oft versteckte interne sowie externe Kosten in den Bereichen Wartung, Sicherheit und Schulung mit sich.
Wann WordPress die richtige Wahl ist und wann nicht, wird auf der Seite zur WordPress-Entwicklung beschrieben. Wenn ein Vorhaben mehr Fachlogik als Redaktion benötigt, etwa Benutzerrollen, Workflows oder Schnittstellen, ist oft eine eigene Anwendung mit dem PHP-Framework Laravel die bessere Grundlage.
Klassisches CMS: Inhalte, Design und Technik sind in einem System vereint.
Vorteile
- Sehr flexibel für komplexe redaktionelle Strukturen
- Alles ist editierbar, auch Layout und Struktur
- Drittanbieter-Plugins können verwendet werden, um Probleme zu lösen
- Lässt sich auch für komplexe Vorhaben verwenden
Nachteile
- Monolithisch: Frontend und Backend sind eng miteinander gekoppelt, was die Flexibilität einschränkt
- Laufender Wartungsaufwand (Updates, Sicherheit)
- Bekannte Systeme wie WordPress sind ein beliebtes Ziel für Hackerangriffe
- Kosten für Funktionen, die nie gebraucht werden
- Schulungsaufwand auf Kundenseite
2. Headless
Diese Variante bringt einen schlanken Ansatz mit, da zu bearbeitende Inhalte abgekapselt und in Form von strukturierten Inhalten über eine Schnittstelle in das Frontend der Website eingespielt werden.
Im Vergleich zum klassischen CMS ist diese Lösung meist wartungsärmer. Zwar gibt es auch hier Updates, aber sie lassen sich besser planen, weil keine Abhängigkeit von Drittanbieter-Plugins besteht und das System nicht durch Anpassungen mit der Zeit aufgebläht wird. Zudem bietet eine Headless-Lösung Hackern wenig Angriffsfläche und sorgt dank hoher Performance für ein gutes Nutzererlebnis. Erwähnenswert: Änderungen an statisch programmierten Seiten werden in der Regel von einer externen Agentur wie MONTAG Webstudios übernommen.
Headless: Inhalte und Präsentation sind voneinander entkoppelt, die Frontends holen die Inhalte per API.
Vorteile
- Nutzende pflegen genau das, was ins eigene Fachgebiet fällt (z. B. News, Team, Jobs, Blogartikel)
- Das Frontend der Website kann statisch ausgeliefert werden und lädt deshalb schnell
- Das Backend ist vom Frontend getrennt, was es weniger anfällig für Hackerangriffe macht
- Eine bessere Performance insgesamt, da nicht das ganze Framework mitgeladen wird
- Omnichannel-fähig (z. B. App, IoT etc.)
Nachteile
- Struktur-Änderungen (neue Seiten, neues Layout) gehen in der Regel nicht ohne Agentur
- Anfangs höherer Konzeptionsaufwand, um festzulegen, welche Inhalte tatsächlich gepflegt werden müssen
- Seitens Kundschaft muss verstanden werden, dass nicht alles eigenhändig angepasst werden kann
3. Ganz ohne CMS
Natürlich geht es auch ohne CMS: Für Websites, deren Inhalte nach der Umsetzung selten bis nie angepasst werden, wird nicht unbedingt ein CMS benötigt. Das macht sie extrem schlank und sehr sicher. JavaScript-Frameworks wie Nuxt eignen sich besonders gut für einfache Websites.
Ohne CMS: Feste Inhalte, die der Webserver direkt als Dateien ausliefert.
Vorteile
- Maximale Performance und Sicherheit
- Kein Wartungsaufwand, keine Update-Pflicht
- Günstigste Lösung in der Erstellung
Nachteile
- Jede Änderung braucht in der Regel eine Agentur
- Für Unternehmen mit häufigem Anpassungsbedarf ungeeignet
- Unterschätzt die Kundschaft den späteren Änderungsbedarf, wird die Lösung rückblickend oft als Fehlentscheid empfunden
Checkliste für Entscheidungstragende
Die folgenden Fragen sollen helfen, die eigene Ausgangslage besser einschätzen zu können:
- Wie oft wird der Website-Inhalt tatsächlich geändert (nicht: wie oft könnte man)?
- Wer im Team soll Inhalte pflegen? Und wer traut sich diese Aufgabe ehrlich zu (dazu gehört auch die Aufbereitung der Inhalte wie beispielsweise Fotos)?
- Was kostet die Wartung und Instandhaltung eines vollumfänglichen CMS über drei Jahre wirklich?
Fazit
Es gibt nicht die eine, goldene Formel, mit der Websites heutzutage umgesetzt werden können. Die eigene Erfahrung zeigt jedoch, dass es mittlerweile einfachere und schlankere Wege gibt als denjenigen über ein monolithisches, klassisches CMS und damit hohe verbundene Kosten bei der initialen Umsetzung und der Betreuung. Es lohnt sich daher, die verschiedenen Optionen genau zu betrachten und zu prüfen.